Letztens erlebte ich einen dieser widersprüchlichen Tage, von denen es aktuell einige gibt.
Am Morgen stand zunächst meine liebgewonnene Tradition an: Köstlichkeiten direkt am Fenster der Backstube von finebouche.toujours kaufen, mit Menschen plaudern und die Sonne bis in die letzte Faser aufsaugen. Basel ist einfach toll – ein Fazit, das ich gerne festhalte, wenn auch genau diese Stadt für mich immer wieder Gleichzeitigkeit spürbar macht.
Später ging es weiter zu einer Bekannten. Heute stand das Ausfüllen ihrer Patientenverfügung auf dem Plan. Ich schätze es sehr, wenn mir bei solch persönlichen Themen Vertrauen geschenkt wird und ich an die Seite gezogen werde.
Und doch passiert mir in genau diesen Momenten etwas Vertrautes: Ich beginne, mich selbst zu sabotieren.
Zur Vorbereitung nahm ich meine eigene Patientenverfügung als Leitfaden mit. Nur um vor Ort zu übersehen, dass die Fragen auf der Rückseite gedruckt waren. Ein kleines Detail, doch mit grosser Wirkung. Plötzlich fehlte mir der rote Faden, und damit auch das Gefühl, den Eindruck zu hinterlassen, den ich gerne hinterlassen hätte.
Mein innerer Standard beginnt nach wie vor gerne bei „perfekt“, maximal geduldet von „genial“ oder „exzellent“.
Zuhause, nach reichlich Selbstverurteilung, musste ich plötzlich laut lachen. Mir ging durch den Kopf, wie mich eine Freundin während der COVID-Zeit immer wieder darauf hinwies, dass ich kein Roboter bin und es mir durchaus erlaubt ist, menschliche Züge zu zeigen. Im Gegenteil – das wäre (laut ihr) sogar wünschenswert.
So viele Jahre später wurde ich an diesem Samstag erneut daran erinnert.
Zurück am Küchentisch lief es übrigens trotzdem weiter. Geübt ist geübt, jahrzehntelange Erfahrung hilft, und so hielt ich weiterhin den Raum. Gleichzeitig kreisten Gedanken in mir wie: „Das könnte sie auch einfach alleine erledigen.“
Was für ein Widerspruch.
Denn natürlich ist sie in der Lage, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Und natürlich bin ich – trotz Imposter-Symptomen – keine Hochstaplerin, sondern eine Fachfrau auf diesem Gebiet.
Am Ende unserer gemeinsamen Zeit hatte sie eine fertige Patientenverfügung, traf eigenständig viele Entscheidungen und konnte wieder Ruhe im System finden. Ruhe, die Energie für das Leben schafft – jenes Leben, das bekanntlich vor dem Tod kommt.
Der Raum, den ich gehalten habe, war durch meinen kleinen Lapsus nicht weniger wert.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Bei aller Gleichzeitigkeit, bei allem inneren Hin und Her bleibt eine leise Konstante:
Das Leben darf einfach sein.