Jetzt bin ich hier. Doch lange war ich auf Achse. Party von Donnerstag bis Montag, Arbeit von früh morgens bis spät nachts. Irgendwas ist immer und so war ich früher stetig am Tun oder Planen.
Was habe ich mich mit Tätigkeiten identifiziert. Wie sehr konnte ich mein Leben auf Menschen ausrichten. Wo dachte ich überall sein zu müssen, um sein zu dürfen.
Berufe waren für mich nie einfach Arbeit. Ich wollte sie verstehen. Mich in sie hineinleben. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Neugier. Wenn mich etwas interessierte, wollte ich wissen, wie es sich von tief innen anfühlt.
Von außen sah das wohl immer rastlos aus. Von innen hat es sich erstaunlich stimmig angefühlt.
Die letzten Jahre habe ich erneut für eine Entdeckungstour genutzt und mich quasi auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Alles, von dem man sagen könnte, ich hätte mir was aufgebaut, das habe ich sein gelassen.
Wie schon als Teenie habe ich die meiste Zeit meiner Tage mit Kindern verbracht oder war zwischen Bibliotheksregalen und Buchseiten zu finden. Und - ebenfalls analog zu meiner Jugend - habe ich mich bewusst geweigert, etwas von dem zu tun, in dem ich “gut” bin.
Und auch wenn all das echt hart war, hat sich mir einiges gezeigt.
Wiedergekommen ist etwa meine Faszination zu Sprachen (ich lerne etwa gerade "een klein beetje" niederländisch).
Geblieben ist meine Liebe zu Streifzügen, diese war sogar nie weg. Wie essenziell sie für mich sind, wurde mir jedoch erst in den letzten Wochen richtig bewusst.
Ebenfalls immer noch da, ist mein Ausdruck in schriftlicher Form.
Meine Fähigkeit zu Vernetzung, Koordination und dem Sichtbar machen von Möglichkeiten möchte auch gerne weitergelebt werden.
Dann wurde überraschend klar, dass Basel mein Heimathafen ist.
Und mein Bedürfnis nach Abwechslung darf – trotz meines Wunsches nach Beständigkeit – einfach mit bestehen. Dank meines flexiblen Springerjobs in der Kita, Katzensittings in anderen Städten und der Entscheidung, auf Zeit zu wohnen. Gleichzeitigkeit mal wieder.
Genau diese auszuhalten war in dieser Zeit eine echte Herausforderung. Die Diskrepanz zwischen bekannten Geschichten und Gefühl, das hat Kraft.
Dennoch oder gerade deswegen ist die Essenz nun deutlich:
Während ich all das sortiert habe, wurde mir noch etwas klar.
Vieles von dem, was ich früher scheinbar unabhängig voneinander gemacht habe, gehört eigentlich zusammen. Das erklärt auch, wie ich heute arbeite.
Vielleicht arbeitest du gerade an etwas.
Einem Projekt. Einem Text. Einer Idee, die schon lange in dir lebt und endlich Form annehmen möchte. Genau diese Momente begleite ich gerne.
Oder Worte fehlen.
Nicht, weil du nichts zu sagen hast.
Sondern weil das Wesentliche noch keinen Ausdruck gefunden hat.
Dann schreiben wir gemeinsam.
Vielleicht brauchst du aber auch gar keinen Text.
Sondern einen Streifzug.
Einen Nachmittag, an dem sich Gedanken sortieren dürfen.
Ein Gespräch, das nicht sofort zu einer Lösung führen muss.
Oder jemanden, der Möglichkeiten erkennt, lange bevor sie offensichtlich werden.
So oder so beginnt meine Arbeit meistens nicht mit Antworten.
Sondern mit Neugier.
Und mit der Frage:
Was möchte hier eigentlich entstehen?